Verfall und Wiederaufbau

Die Geschichte Derneburgs ist mehr als 850 Jahre alt. Klöster wurden aufgebaut, Mönche kamen und Mönche gingen, die Klosteranlagen wurden zerstört und wieder hergestellt. Zwischen 1814 und 1840 entstand der englische Landschaftsgarten des Grafen zu Münsters, und 1975 ging fast der gesamte Besitz an den Künstler Georg Baselitz. Lange Zeit kümmerte sich niemand um Derneburg. Die alten Anlagen verfielen und waren nur wenigen Eingeweihten bekannt. Dann kam das Jahr 1988, ein Glücksjahr für Derneburg. Der 200. Geburtstag des Architekten Georg Ludwig Friedrich Laves war Anlass, alle Derneburger Anlagen zu restaurieren und sie einer großen Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Glashaus und der Laves-Kulturpfad bestehen seit 1988. Für die Gemeinde Holle hat sich das Wagnis gelohnt. Abseits der städtischen Zentren hat sich Derneburg zu einem viel besuchten Ausflugsziel entwickelt. Derneburg ist ein Ort, an dem man sich in vergangene Zeiten zurückversetzen kann und ein Ort zeitgenössischer Kultur, mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm zeitgenössischer Kunst. Das Schloss Derneburg und seine Domäne wurde im Jahr 2006 von dem amerikanischen Kunstsammler Andrew Hall gekauft, der hier seine zeitgenössische Kunstsammlung mit Werken von Georg Baselitz unterbringen will.

Kunst heißt Vielfalt

"Zwei Jahre dauerte es", so der Leiter des Glashauses Derneburg Martin Ganzkow "Derneburg über weite Kreise hinaus bekannt zu machen." Inzwischen kommen jährlich mehr als 20.000 Besucher aus dem weiten Umland in das Glashaus. Die Kulturveranstaltungen sind mit durchschnittlich 80 Besuchern sehr gut besucht. Das Veranstaltungskonzept des Glashauses ist auf Vielfalt angelegt. Hier zeigen Hobbykünstler aus der Region ihre Arbeiten ebenso wie Profikünstler, die dem Publikum manchmal auch schwer zugängliche Werke zumuten. Ein fester Bestandteil des Programms ist das Kindertheater. Jeden Monat wird im Glashaus eine Veranstaltung für Kinder angeboten. Die Besonderheit des Glashausprogramms liegt in internationaler Folklore und den Themenschwerpunkten, die ein Land oder ein Thema von den verschiedensten Blickwinkeln beleuchten und vorstellen. So gab es bis 1998 über 40 verschiedene Themen, darunter das Deutsch-Türkische Kulturfestival, die Internationalen Festivals der Harfe, die Tibet-Wochen oder das Afrikanische Kulturfestival. Insgesamt finden jährlich durchschnittlich 50 Veranstaltungen statt, davon sind der größte Teil Konzerte (29%), gefolgt von Ausstellungen (23%) Kindertheater (19%) und Theater/Kabarett (10%). Das vielfältige kulturelle und soziale Programm des Glashaus wurde auch von politischer Seite durch die Übernahme zahlreicher Schirmherrschaften gewürdigt, darunter z.B. auch der Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, Gerhard Schröder.

Das Glashaus

Kultur heißt auch Wirtschaftsförderung

Dieser Erfolg hat nicht nur die Gemeinde Holle überrascht. Was anfangs noch als Experiment auf dem Land gedacht war, hat sich zu einer festen Einrichtung entwickelt. Die Gemeinde Holle hat auf kulturellem Gebiet Pionierarbeit geleistet und beschäftigt als eine der wenigen Gemeinden dieser Größenordnung in Niedersachsen einen fest eingestellten Kulturpädagogen. Der Einsatz für Heimat- und Kulturpflege zahlt sich für die Gemeinde Holle auch aus. "Kultur", so Holles Bürgermeister Klaus Huchthausen, "ist auch Wirtschaftsförderung. Durch den Bekanntheitsgrad des Glashauses sind viele Bauwillige auf die Schönheit der Gemeinde Holle aufmerksam geworden und haben sich für das Gemeindegebiet entschieden. Holle besitzt eine sehr gut ausgebaute Infrastruktur, beste Verkehrsanbindungen und eine landschaftlich äußerst reizvolle Gegend mit vielen Sehenswürdigkeiten."

Sponsoren helfen

Allein kann die Gemeinde Holle das Glashaus nicht tragen. Die Einrichtung wird vom Land Niedersachsen, dem Landkreis Hildesheim und dem Landschaftsverband Hildesheim e.V. unterstützt. Daneben gibt es private Sponsoren, wie die Kreissparkasse Hildesheim, die Sparda-Bank und andere Institutionen, die einzelne Projekte fördern. Ohne die finanzielle Hilfe dieser Partner könnte die Gemeinde Holle das Glashaus nicht unterhalten. Von dem Gesamtetat des Glashauses werden 55% durch Zuwendungen, Eintrittsgelder, Anzeigen und Mieten gedeckt. Neben den Personal- und den Veranstaltungskosten machen dabei die Unterhaltungskosten für das Glashaus einen großen Teil der Ausgaben aus. Das alte Gebäude bedarf der ständigen Pflege und Reparaturen sind auch an der Tagesordnung.