Schloss Derneburg

Die Klosterzeit

Am Anfang der Derneburger Geschichte steht ein Mord, den der Graf Hermann I. von Winzenburg an seinem Vasallen Burchard I. von Loccum begangen ließ. Aus Sühne für diese Tat wurden ihm 1130 alle Würden und Lehen entzogen. Seine Nachfolger übertrugen in Folge 1143 den Hof in Derneburg dem Bischof Bernhard von Hildesheim mit dem Wunsch, „dass an diesem Orte für das Gedeihen der heiligen Religion vom Bischöfe Maßregeln genommen und befestigt würden". Diese Maßregeln ließen aber noch 70 Jahre auf sich warten, erst 1213 übergab der Bischof Hartbert den neuen kirchlichen Besitz seiner Bestimmung, in dem er den Konvent der Augustiner-Nonnen aus Holle nach Derneburg verlegte. In den nächsten 100 Jahren vollzog sich eine beispiellose Macht- und Besitzerweiterung des Klosters Derneburg, das sich unzählige Grundstücke und Zehntabgaben der umliegenden Dörfer einzuverleiben wusste. Der übermäßige Reichtum führte in den Folgejahren zu einer schlechten Wirtschaft und einem verschwenderischen und unabhängigen Leben der Klosterschwestern.

Anfang des 14. Jahrhunderts verarmte das Kloster, und die klösterlichen Sitten wurden von den Schwestern immer weniger eingehalten. Anfang des 15. Jahrhunderts versuchte der Reformator Johannes Busch, den Nonnen ihr „höchst ungebundenes Leben", das „aller Klosterzucht Hohn" sprach, auszutreiben. Er entging nur knapp einem Mordanschlag, der den Augustinerinnen zur Last gelegt wurde, und sein Nachfolger Heinrich Barnten, der Abt von Marienrode, ließ das Kloster im Jahr 1443 kurzerhand räumen und übergab es dem Reformorden der Zisterzienserinnen.

Die weltlichen als auch religiösen Kriege machten dem Kloster Derneburg in den nächsten Jahrhunderten schwer zu schaffen. Mit der Reformation wurde es in ein lutherisches Kloster umgewandelt, das sich bis ins 17. Jahrhundert im Besitz der Herzöge von Braunschweig befand. Als es dann wieder in die Hände des Bischofs von Hildesheim zurückkam, waren die Gebäude dem Einsturz nahe, und das Kloster hoch verschuldet. Den Grundstein für den noch heute sichtbaren Reichtum Derneburgs legten nun die Mönche des Zisterzienserordens, unter denen sich der Abt Arnu durch seine Baufreudigkeit besonders auszeichnete. Unter seiner Verwaltung wurde 1735 der Grundstein für den Neubau der barocken Klosterkirche gelegt, und die landwirtschaftlichen Gebäude der Domäne errichtet. Arnus Nachfolger, Abt Edmund Sieden, brachte danach das Kloster durch seine Versuche, Gold herzustellen, in eine riesige Schuldenlast, so dass ihm der Fürstbischof 1775 einen Administrator bestellte.

Die gräfliche Zeit

Mit der Auflösung des Klosters im Jahr 1803 durch die Preußen wurde Derneburg zu einer preußischen Domäne, die 4 Jahre später französische Truppen besetzten. Beide plünderten den reichen Besitz restlos aus, und als Derneburg mit dem gesamten Bistum Hildesheim nach dem Wiener Kongress 1814 an das welfische Königreich fiel, fand der neue Besitzer, Graf
Ernst zu Münster, das ehemalige Kloster in einem völlig verwahrlosten Zustand vor. Der reiche Grundbesitz garantierte ihm dennoch eine garantierte jährliche Einnahme von 6000 Talern.

Graf Ernst zu Münster behielt bei seinen Umbauten zu einem repräsentativen Schloss den klösterlichen Eindruck der Gesamtanlage bei. Mit der mittelalterlichen und barocken Klosterarchitektur waren im Landschaftsgarten neben dem griechischen Tempel und der ägyptischen Pyramide die großen Epochen der Kulturgeschichte vertreten. Aus diesem Grund blieb die Klosterkirche erhalten und nahm die reiche Kunstsammlung des Grafen auf. Sein Sohn Georg Herbert teilte nicht die kunsthistorische Auffassung des Vaters, ihm stand der Sinn nach einem romantischen Schloss, so wie er es aus England kannte. Diese schwierige Aufgabe übernahm Laves, und mit einer aus denkmalpflegerischer Sicht nicht zu vertretenden Radikalität riss er 1846 zwei Drittel der Klosterkirche ab und öffnete das geschlossene Viereck mit seinem Kreuzganz zu einem U-förmigen Bau. Es verblieb ein großer quadratischer Turm, auf den ein pagodenförmiges Dach mit einem Zinnenumlauf gesetzt wurde. Zusammen mit den in die Fassade eingelassenen Türmen erhielt die Anlage ihren romantischen Schlosscharakter, den sie bis heute bewahrt hat.

1902 übernahm Graf Alexander das Gut, das mit Ausbruch des 1. Weltkrieges in schwere wirtschaftliche Probleme geriet. Mit seinem Sohn, Friedrich Graf zu Münster, löste sich der große Besitz weiter auf. Der aufwendige Lebenswandel des in Berlin ansässigen Friedrichs verursachte in den 20er/30er Jahren enorme Schulden, die durch Kunst- und Landverkäufe gedeckt werden mussten. Friedrich verpachtete das Gut Derneburg-Astenbeck 1926 an den Schwaben Fritz Ruoff, der eine sehr intensive und erfolgreiche Wirtschaftsreform durchführte. Zu Beginn des 2. Weltkrieges wurde im Schloss ein Reservelazarett eingerichtet und für die Verstorbenen am Osthang des Donnerberges der Ehrenfriedhof angelegt. Nach dem Tod Friedrichs konnte sein englischer Bruder, Paul Graf zu Münster, sein Erbe erst nach Kriegsende antreten. Auf Grund einer Bodenreform verkaufte er den 1000-Morgen-Betrieb Derneburg an das Land Niedersachsen, das das Gut durch einen Verwalter bewirtschaftete. Sein Sohn Peter trat 1955 in Derneburg sein vorgezogenes Erbe an, baute eine groß angelegte Nelkenzucht auf, musste aber aus wirtschaftlichen Gründen 1971 das Astenbecker Brennereigut mit ca. 140 ha Ackerfläche verkaufen. Der einstmals riesige Grundbesitz war auf das Schloss und einen kleinen Teil des Parks zusammen geschrumpft.

Die Georg Baselitz Zeit

Nachdem Derneburg 5 Generationen lang im Besitz der Familie Münster gewesen war, verkaufte Peter Graf zu Münster den letzten Besitz 1975 an Georg Baselitz, einen der renommiertesten zeitgenössischen Künstler Deutschlands. Georg Baselitz ließ 1995 das große Atelier im Schlosspark bauen. Er lebte und arbeite in Derneburg bis 2006.

Die Andrew Hall Zeit

Im gleichen Jahr kam das Schloss in den Besitz des amerikanischen Kunstsammlers Andrew Hall, der zunächst die umfangreiche, zeitgenössische Kunstsammlung von Georg Baselitz und anschließend auch das Schloss und die Wirtschaftsgebäude der Domäne Derneburg erwarb. Die Fischteiche einschließlich der Wassermühle kaufte die Paul-Feindt-Stiftung. Die neu gegründete Schloss Derneburg Corporation hat das Schloss von Grund auf saniert und für die Präsentation von Ausstellungen umgebaut. Neben der Kunstsammlung von Andrew Hall sollen hier Ausstellungen internationaler Künstler gezeigt werden.